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    Galaxien: Aufbau

    Anzahl der Satellitengalaxien der Milchstraße: Die Zahl

    Jurica SinkoBy Jurica SinkoNovember 2, 2025
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    Satellitengalaxien der Milchstraße

    Schauen wir in einer klaren, dunklen Nacht nach oben, sehen wir Sterne. Tausende. Vielleicht erkennen wir die milchige Spur unserer eigenen Galaxie, der Milchstraße. Was wir aber mit bloßem Auge nicht sehen, ist ein unsichtbarer kosmischer Tanz, der direkt vor unserer Haustür stattfindet. Unsere Milchstraße ist keine Einzelgängerin. Sie ist ein galaktischer Riese, ein Kannibale, umgeben von einem ganzen Hofstaat kleinerer Galaxien. Ihre gewaltige Schwerkraft hält sie gefangen. Wir nennen diese Begleiter Satellitengalaxien. Die eine Frage aber treibt Astronomen seit Jahrzehnten um: Wie hoch ist die Anzahl der Satellitengalaxien der Milchstraße wirklich?

    Es ist die Suche nach einer Zahl, die sich als eines der größten Rätsel der modernen Kosmologie entpuppt hat. Diese Zahl ist so viel mehr als eine triviale Zählung.

    Sie ist ein knallharter Test für unser Verständnis des Universums. Sie ist ein Maßstab dafür, ob unsere Theorien zur Dunklen Materie stimmen. Und sie ist ein Fenster in die gewalttätige Entstehungsgeschichte unserer eigenen galaktischen Heimat. Begleiten Sie uns auf einer Entdeckungsreise, um „die Zahl“ zu finden – eine Zahl, die sich weigert, stillzustehen.

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    Was ist das galaktische Zentrum

    Sind Magellansche Wolken Begleiter der Milchstraße

    Inhaltsverzeichnis

    Toggle
    • Schlüsselerkenntnisse (Key Takeaways)
    • Was genau verstehen wir unter einer „Satellitengalaxie“?
      • Ist jede kleine Galaxie in unserer Nähe automatisch ein Satellit?
    • Kennen wir nicht schon die größten? Die Magellanschen Wolken
    • Also, wie viele sind es denn nun? Warum ist die genaue Zahl so schwer fassbar?
      • Warum finden wir immer wieder neue?
    • Spielt Dunkle Materie hier eine Hauptrolle?
      • Sind diese Zwerggalaxien mehr als nur Sterne?
    • Wie hat sich die Suche in den letzten Jahren so drastisch verändert?
      • Was hat das Sloan Digital Sky Survey (SDSS) damit zu tun?
    • Was ist also die „offizielle“ Anzahl der Satellitengalaxien der Milchstraße?
      • Sprechen wir von Dutzenden oder Hunderten?
    • Löst diese Entdeckungswelle das „Missing Satellites Problem“?
    • Was macht diese „ultraschwachen“ Galaxien so besonders?
      • Sind das überhaupt noch „Galaxien“?
    • Wie hilft uns die Gaia-Mission, die Spreu vom Weizen zu trennen?
    • Sind unsere größten Begleiter, die Magellanschen Wolken, überhaupt treue Satelliten?
      • Was bedeuten „neue“ Daten für ihr Schicksal?
    • Werden wir in Zukunft noch viel mehr finden?
      • Was erwartet uns vom Vera C. Rubin Observatory?
    • Was bedeutet diese Zahl also letztendlich für uns?
    • Häufig gestellte Fragen
      • Was versteht man unter einer Satellitengalaxie genau?
      • Warum ist die genaue Zahl der Satellitengalaxien der Milchstraße so schwer festzustellen?
      • Was ist das ‚Missing Satellites Problem‘ und wie wurde es gelöst?
      • Welche Rolle spielen die Magellanschen Wolken in der Satellitengalaxienforschung?

    Schlüsselerkenntnisse (Key Takeaways)

    • Die Zahl ist nicht fix: Die bekannte Anzahl der Satellitengalaxien der Milchstraße ist keine endgültige, in Stein gemeißelte Zahl. Sie wächst ständig, weil wir immer neue, extrem schwache Objekte finden.
    • Aktuelle Zählung: Nach heutigem Stand (Ende 2024 / Anfang 2025) kennen wir etwa 60 bestätigte Satellitengalaxien. Das ist aber nur die untere Grenze.
    • Dunkle Materie ist der Schlüssel: Die meisten dieser Satelliten sind „ultraschwache Zwerggalaxien“. Sie scheinen fast vollständig aus Dunkler Materie zu bestehen und besitzen nur eine Handvoll Sterne.
    • Technologie als Treiber: Moderne Himmelsdurchmusterungen wie das Sloan Digital Sky Survey (SDSS), das Dark Energy Survey (DES) und die Gaia-Mission der ESA haben die Entdeckung dieser Geistergalaxien revolutioniert.
    • Das „Missing Satellites Problem“: Früher klaffte eine riesige Lücke zwischen der vorhergesagten und der beobachteten Anzahl von Satelliten. Die neuen Entdeckungen haben diese Lücke kleiner gemacht, das Rätsel aber noch nicht komplett gelöst.
    • Die Magellanschen Wolken: Unsere größten Begleiter sind vielleicht erst vor Kurzem angekommen und bringen ihre eigenen Satelliten mit. Das macht das Zählen noch komplizierter.was die Zählung weiter verkompliziert.

    Was genau verstehen wir unter einer „Satellitengalaxie“?

    Bevor wir anfangen zu zählen, müssen wir einen Schritt zurücktreten. Wir müssen definieren, was wir überhaupt suchen. Eine Satellitengalaxie ist nicht einfach nur ein „anderes Ding“ am Himmel in der Nähe der Milchstraße. Der entscheidende Faktor ist die Schwerkraft.

    Eine Satellitengalaxie ist eine Ansammlung von Sternen, Gas, Staub und – ganz wichtig – Dunkler Materie, die gravitativ an die Milchstraße gebunden ist. Sie umkreist unsere Galaxie, so wie der Mond die Erde umkreist, nur in einem unvorstellbar größeren Maßstab und über Zeiträume von Hunderten von Millionen oder sogar Milliarden von Jahren.

    Diese Definition ist von entscheidender Bedeutung. Sie hilft uns, echte Satelliten von anderen Objekten zu unterscheiden.

    Ist jede kleine Galaxie in unserer Nähe automatisch ein Satellit?

    Nein, und das ist ein wichtiger Punkt. Nur weil eine Galaxie klein ist und wir sie in der „Nähe“ (ein relativer Begriff in der Astronomie) der Milchstraße sehen, heißt das nicht, dass sie an uns gebunden ist. Sie könnte einfach nur im Hintergrund vorbeifliegen, ein Besucher auf einer intergalaktischen Reise, der uns nie zuvor begegnet ist und uns vielleicht nie wieder begegnen wird.

    Außerdem müssen wir sie von Kugelsternhaufen unterscheiden. Kugelsternhaufen sind dichte, kugelförmige Ansammlungen von Hunderttausenden von Sternen, die ebenfalls unsere Galaxie umkreisen. Sie sind jedoch Teil der Milchstraße selbst, insbesondere ihres Halos. Man nimmt an, dass sie sich zusammen mit unserer Galaxie gebildet haben oder die Überreste von Galaxien sind, die längst von der Milchstraße zerrissen wurden. Satellitengalaxien hingegen sind eigenständige Gebilde, die (noch) ihre eigene Struktur und Identität bewahren. Die Grenze kann manchmal verschwimmen, aber die moderne Astronomie definiert Galaxien oft über ihre Dominanz der Dunklen Materie, etwas, das Kugelsternhaufen in der Regel nicht haben.

    Kennen wir nicht schon die größten? Die Magellanschen Wolken

    Wenn Sie auf der Südhalbkugel leben oder dorthin gereist sind, hatten Sie vielleicht das Privileg, sie mit bloßem Auge zu sehen. Sie sehen aus wie zwei verschmierte, abgerissene Stücke der Milchstraße. Das sind die Große Magellansche Wolke (GMW) und die Kleine Magellansche Wolke (KMW).

    Jahrhundertelang galten diese beiden als die Paradebeispiele für Satellitengalaxien der Milchstraße. Sie sind bei weitem die größten, hellsten und massereichsten. Die GMW ist eine irreguläre Zwerggalaxie, die etwa 160.000 Lichtjahre entfernt ist und immer noch aktiv Sterne bildet. Die KMW ist etwas weiter entfernt, etwa 200.000 Lichtjahre, und ebenfalls ein Zwerg.

    Lange Zeit dachten Astronomen, die Geschichte sei einfach: Die Milchstraße hat diese beiden großen Begleiter und ein Dutzend oder so kleinere, die „klassischen“ Satelliten wie Fornax, Sculptor und Carina. Das war das Bild, das wir jahrzehntelang hatten.

    Es war ein sauberes Bild. Und es war vollkommen unvollständig.

    Die Realität, so stellt sich heraus, ist viel chaotischer, viel geisterhafter und unendlich viel faszinierender. Die Magellanschen Wolken sind vielleicht gar nicht die treuen, alten Begleiter, für die wir sie hielten – dazu später mehr. Und die „klassischen“ Satelliten? Sie waren nur die Spitze eines riesigen, unsichtbaren Eisbergs.

    Also, wie viele sind es denn nun? Warum ist die genaue Zahl so schwer fassbar?

    Warum ist das so schwer? Man sollte meinen, das Zählen unserer nächsten Nachbarn wäre einfach. Das Problem ist, dass die überwiegende Mehrheit dieser Galaxien fast unsichtbar ist. Wir nennen sie „ultraschwache Zwerggalaxien“ (Ultra-Faint Dwarfs oder UFDs).

    Stellen Sie sich vor, Sie suchen in einem riesigen, dunklen Wald nach Glühwürmchen. Die Magellanschen Wolken sind wie helle Scheinwerfer. Die „klassischen“ Satelliten sind wie schwache Glühbirnen. Aber die UFDs? Sie sind wie einzelne, sterbende Funken, die nur für einen Moment aufblitzen, wenn man direkt hinsieht. Sie sind so leuchtschwach, dass einige von ihnen insgesamt nur ein paar hundert oder tausend Sterne besitzen. Zum Vergleich: Unsere Milchstraße hat Hunderte von Milliarden Sternen.

    Warum finden wir immer wieder neue?

    Diese Galaxien sind aus mehreren Gründen unglaublich schwer zu finden:

    1. Sie sind extrem leuchtschwach: Ihre „Oberflächenhelligkeit“ ist so gering, dass sie sich kaum vom Hintergrundrauschen des Himmels abheben. Sie sind geisterhafte Sternansammlungen.
    2. Sie sind diffus: Ihre Sterne sind oft über einen großen Bereich verteilt, nicht dicht gepackt.
    3. Sie verstecken sich: Viele sind hinter der dichten Scheibe unserer eigenen Milchstraße verborgen (der „Zone of Avoidance“), wo Staub und Gas unsere Sicht blockieren.

    Jahrzehntelang haben wir einfach nicht über die Technologie verfügt, um nach etwas so Schwachem und Diffusem zu suchen. Wir haben nach den sprichwörtlichen Schlüsseln unter der Laterne gesucht, weil es dort hell war. Wir suchten nach Dingen, die wie die Galaxien aussahen, die wir bereits kannten. Aber das Universum hatte eine Überraschung parat.

    Spielt Dunkle Materie hier eine Hauptrolle?

    Mehr als das. Sie ist der Star der Show. Die Entdeckung dieser ultraschwachen Zwerge hat unser Verständnis der Dunklen Materie auf den Kopf gestellt.

    Um das zu verstehen, müssen wir über das „Missing Satellites Problem“ (das Rätsel der fehlenden Satelliten) sprechen. Unsere führenden kosmologischen Modelle – bekannt als das „Lambda Cold Dark Matter“ (LCDM)-Modell – waren unglaublich erfolgreich bei der Erklärung der großräumigen Struktur des Universums. Diese Modelle sagen voraus, dass sich Galaxien wie die Milchstraße hierarchisch bilden: Kleine Klumpen aus Dunkler Materie verschmelzen über Milliarden von Jahren zu größeren.

    Nach diesen Simulationen sollte ein Halo aus Dunkler Materie von der Größe der Milchstraße von Hunderten, wenn nicht Tausenden kleinerer Sub-Halos umgeben sein. Jeder dieser Sub-Halos wäre ein potenzieller Ort für die Entstehung einer Zwerggalaxie.

    Das Problem? Bis etwa zum Jahr 2004 kannten wir nur die ~12 klassischen Satelliten. Wo waren all die anderen? Dies war eine riesige Diskrepanz, eine tiefe Kluft zwischen Theorie und Beobachtung.

    Sind diese Zwerggalaxien mehr als nur Sterne?

    Hier kommen die UFDs ins Spiel. Als Astronomen begannen, die Geschwindigkeiten der wenigen Sterne in diesen neu entdeckten Geistergalaxien zu messen, machten sie eine schockierende Entdeckung. Die Sterne bewegten sich viel zu schnell.

    In einer normalen Galaxie oder einem Sternhaufen hält die Schwerkraft der sichtbaren Sterne alles zusammen. Aber in diesen UFDs reichte die Schwerkraft der paar tausend Sterne bei weitem nicht aus, um sie am Auseinanderfliegen zu hindern, besonders bei den gemessenen Geschwindigkeiten.

    Die einzige Erklärung: Diese Sterne müssen in einer riesigen, unsichtbaren Wolke aus Materie schwimmen, die alles mit ihrer Schwerkraft zusammenhält. Diese Wolke ist der Sub-Halo der Dunklen Materie. Diese UFDs sind die dunkelsten, am stärksten von Dunkler Materie dominierten Objekte, die wir im Universum kennen. Sie sind im Grunde Klumpen aus Dunkler Materie, die nur mit einer leichten „Zuckerglasur“ aus Sternen überzogen sind. Sie waren die ganze Zeit da. Wir hatten nur nicht die Werkzeuge, um ihre extrem schwachen Sterne zu sehen.

    Wie hat sich die Suche in den letzten Jahren so drastisch verändert?

    Der Wendepunkt kam nicht durch größere Teleskope, sondern durch intelligentere Teleskope. Genauer gesagt, durch riesige digitale Himmelsdurchmusterungen.

    Anstatt kleine Himmelsflecken tief zu belichten, begannen Projekte wie das Sloan Digital Sky Survey (SDSS), riesige Teile des Himmels systematisch zu kartieren. Sie erstellten eine gigantische digitale Karte von Millionen von Galaxien und Sternen. Und in diesen Daten, tief vergraben, lagen die Hinweise.

    Astronomen entwickelten Computeralgorithmen, die diese Karten nicht nach hellen, offensichtlichen Galaxien durchsuchten, sondern nach subtilen, statistischen „Überdichten“ von schwachen Sternen, die alle eine ähnliche Farbe und Helligkeit aufwiesen. Sie suchten nach der Nadel im Heuhaufen, indem sie den Heuhaufen digital analysierten.

    Der Erfolg war spektakulär. Ab 2005 führte dies zu einer wahren Flut von Entdeckungen. Galaxien wie Ursa Major II, Coma Berenices und Segue 1 wurden gefunden. Diese Objekte waren so schwach, dass sie die Definition einer „Galaxie“ neu formulierten.

    Was hat das Sloan Digital Sky Survey (SDSS) damit zu tun?

    Das SDSS war der Pionier. Es öffnete die Büchse der Pandora und enthüllte eine völlig neue Population von Satelliten. Aber es war erst der Anfang. Spätere Durchmusterungen, die speziell für die Suche nach noch schwächeren Objekten konzipiert wurden, setzten die Jagd fort:

    • Dark Energy Survey (DES): Obwohl es primär zur Untersuchung der Dunklen Energie konzipiert wurde, erwies sich sein tiefer und weiter Blick auf den Südhimmel als Goldgrube. DES entdeckte Dutzende weiterer Kandidaten.
    • Pan-STARRS (Panoramic Survey Telescope and Rapid Response System): Dieses Teleskop auf Hawaii scannt ebenfalls große Himmelsbereiche und spürt diese schwachen Begleiter auf.
    • Andere spezialisierte Suchen: Kleinere, gezielte Suchen füllen weiterhin die Lücken und bestätigen Kandidaten.

    Diese Durchmusterungen haben die Anzahl der bekannten Satellitengalaxien der Milchstraße von etwa 12 auf rund 60 erhöht. Die Zahl hat sich verfünffacht. Und das ist nur das, was wir in den von uns abgesuchten Himmelsregionen und bis zu einer bestimmten Helligkeitsgrenze sehen können.

    Was ist also die „offizielle“ Anzahl der Satellitengalaxien der Milchstraße?

    Wenn Sie also heute einen Astronomen nach „der Zahl“ fragen, wird er oder sie wahrscheinlich zögern und dann eine vorsichtige Antwort geben: „Etwa 60. Bestätigte.“

    Diese Zahl, oft zitiert, ist die beste Schätzung der bestätigten Satelliten. „Bestätigt“ ist hier das Zauberwort. Es bedeutet, dass wir nicht nur eine Ansammlung von Sternen gefunden haben, sondern dass wir durch Folgemessungen (oft mit dem Hubble-Weltraumteleskop oder großen Bodenteleskopen) nachweisen konnten, dass:

    1. Die Sterne sich alle in etwa der gleichen Entfernung befinden.
    2. Sie eine gemeinsame chemische Signatur aufweisen (was auf einen gemeinsamen Ursprung hindeutet).
    3. Sie sich als Gruppe gemeinsam bewegen und gravitativ an die Milchstraße gebunden sind.

    Sprechen wir von Dutzenden oder Hunderten?

    Wir sprechen von Dutzenden bekannten Objekten, aber mit der fast sicheren Erwartung von Hunderten unentdeckten.

    Die 60, die wir kennen, sind nur die, die wir bisher finden konnten. Die meisten wurden auf der Nordhalbkugel gefunden (dank SDSS) oder in bestimmten Regionen der Südhalbkugel (dank DES). Große Teile des Himmels, insbesondere in der Nähe der galaktischen Ebene, sind noch immer Terra incognita.

    Simulationen, die auf den heutigen Erkenntnissen basieren, legen nahe, dass die Milchstraße insgesamt zwischen 100 und 500 Satelliten haben könnte, die hell genug sind, um von der nächsten Generation von Teleskopen entdeckt zu werden. Die tatsächliche Gesamtzahl der Dunkle-Materie-Sub-Halos, die jemals Sterne gebildet haben, könnte sogar noch höher sein.

    Löst diese Entdeckungswelle das „Missing Satellites Problem“?

    Größtenteils ja. Aber wie es in der Wissenschaft so oft vorkommt, ersetzt die Lösung eines Problems oft nur durch ein neues, subtileres Rätsel.

    Die Entdeckung von Dutzenden von UFDs war ein riesiger Triumph für das LCDM-Modell. Sie bewies, dass die vorhergesagten Sub-Halos tatsächlich existieren. Das Problem war nicht, dass die Theorie falsch war, sondern dass unsere Annahmen darüber, wie Galaxien in diesen Halos entstehen, zu einfach waren.

    Wir verstehen jetzt, dass die Galaxienbildung in diesen winzigen Halos extrem ineffizient ist. Es ist sehr schwer, in einem so kleinen Klumpen aus Dunkler Materie überhaupt Sterne zu zünden. Kosmische Strahlung aus dem frühen Universum, Supernova-Explosionen aus den ersten Sternen – all das kann das spärliche Gas, das für die Sternentstehung benötigt wird, leicht aus diesen flachen „Gravitationstöpfen“ hinausblasen.

    Es ist also wahrscheinlich, dass die überwiegende Mehrheit der Sub-Halos der Milchstraße völlig dunkel ist. Sie enthalten überhaupt keine Sterne und werden für uns vielleicht auf ewig unsichtbar bleiben, es sei denn, wir finden einen Weg, Dunkle Materie direkt nachzuweisen. Die ~60, die wir sehen, sind die erfolgreichen Ausnahmen.

    Was macht diese „ultraschwachen“ Galaxien so besonders?

    Diese Geisterwelten sind mehr als nur eine statistische Kuriosität. Sie sind lebende Fossilien.

    Weil sie so klein und isoliert sind, haben viele von ihnen seit Milliarden von Jahren keine neuen Sterne mehr gebildet. Die Sterne, die wir heute in ihnen sehen, gehören zu den ältesten im Universum. Sie sind extrem metallarm, das heißt, sie bestehen fast ausschließlich aus dem Wasserstoff und Helium, das im Urknall entstand.

    Das Studium dieser Sterne ist wie eine archäologische Grabung in der kosmischen Dämmerung. Sie sind ein unberührtes Fenster in die Bedingungen des frühen Universums, kurz nachdem die ersten Sterne und Galaxien entstanden. Jede dieser UFDs ist ein einzigartiges Labor, um die Entstehung der allerersten Strukturen im Kosmos zu verstehen. Mehr über diese faszinierenden Objekte können Sie in den Veröffentlichungen des NASA Hubble Space Telescope nachlesen, das entscheidend zur Untersuchung dieser fernen Welten beigetragen hat.

    Sind das überhaupt noch „Galaxien“?

    Diese Frage wird in der astronomischen Gemeinschaft tatsächlich diskutiert. Wo zieht man die Grenze zwischen einem sehr großen, diffusen Sternhaufen und einer sehr kleinen, leuchtschwachen Galaxie?

    Die Antwort, auf die sich die meisten geeinigt haben, lautet: Dunkle Materie.

    Wie bereits erwähnt, ist das entscheidende Merkmal, das diese Objekte als „Galaxien“ qualifiziert, nicht ihre Anzahl an Sternen, sondern ihre immense Masse, die in der Dunklen Materie verborgen ist. Ein Kugelsternhaufen wird von der Schwerkraft seiner eigenen Sterne zusammengehalten. Eine Zwerggalaxie wird von der Schwerkraft ihres Halo aus Dunkler Materie zusammengehalten. Diese Unterscheidung ist fundamental. Sie sagt uns, dass wir es mit zwei völlig unterschiedlichen Arten von Objekten zu tun haben, die auf völlig unterschiedliche Weise entstanden sind.

    Wie hilft uns die Gaia-Mission, die Spreu vom Weizen zu trennen?

    Wenn die digitalen Durchmusterungen das Tor aufgestoßen haben, dann ist die Gaia-Mission der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) der Schlüssel, der das Schloss aufschließt.

    Gaia ist ein Astrometrie-Satellit. Seine Aufgabe ist nicht, neue schwache Objekte zu finden, sondern die bereits bekannten (und Milliarden andere) mit unfassbarer Präzision zu vermessen. Gaia erstellt eine 3D-Karte unserer Galaxie. Es misst nicht nur die Position von Sternen, sondern auch ihre Bewegung – sowohl ihre „Eigenbewegung“ quer zum Himmel als auch ihre „Radialgeschwindigkeit“ auf uns zu oder von uns weg.

    Diese Daten sind eine Revolution. Sie erlauben es uns, mit Sicherheit zu sagen: „Ja, diese 500 Sterne dort drüben bewegen sich alle gemeinsam wie ein Schwarm Bienen und umkreisen die Milchstraße.“ Oder: „Nein, das ist nur eine zufällige Ansammlung von Hintergrundsternen.“

    Gaia hat uns geholfen, Dutzende von Kandidaten als echte Satelliten zu bestätigen. Es hat auch geholfen, neue Strukturen zu finden, keine intakten Galaxien, sondern „Sternströme“ – die zerrissenen Überreste von Zwerggalaxien, die der Milchstraße zu nahe gekommen und von ihren Gezeitenkräften auseinandergerissen wurden. Diese Ströme malen die gewalttätige Geschichte des „Kannibalismus“ der Milchstraße an den Himmel.

    Sind unsere größten Begleiter, die Magellanschen Wolken, überhaupt treue Satelliten?

    Hier wird die Geschichte noch komplizierter. Dank der präzisen Bewegungsdaten von Gaia und Hubble haben Astronomen die Umlaufbahnen der Magellanschen Wolken neu berechnet. Das Ergebnis war ein Schock.

    Sie bewegen sich viel schneller als erwartet. So schnell, dass es sehr wahrscheinlich ist, dass sie sich auf ihrem aller-allerersten Orbit um die Milchstraße befinden.

    Sie sind keine alten, treuen Begleiter, die uns seit Anbeginn der Zeit umkreisen. Sie sind Neuankömmlinge. Ein riesiges Paar von Zwerggalaxien, die erst kürzlich in den gravitativen Einflussbereich der Milchstraße geraten sind und nun auf einen langen, langsamen Todeskampf zusteuern, der in den nächsten Milliarden Jahren in ihrer vollständigen Zerstörung und Verschmelzung mit der Milchstraße gipfeln wird.

    Was bedeuten „neue“ Daten für ihr Schicksal?

    Diese Entdeckung hat enorme Auswirkungen. Zum einen bedeutet es, dass die Milchstraße gerade dabei ist, ihre beiden größten Satelliten „einzufangen“. Zum anderen bringen die Wolken ihre eigenen Freunde mit zur Party.

    Die Große Magellansche Wolke ist groß genug, um ihre eigenen Satellitengalaxien zu haben. Und tatsächlich haben wir mehrere UFDs gefunden, die die GMW zu umkreisen scheinen, nicht die Milchstraße direkt. Die Kleine Magellansche Wolke umkreist die Große. Wir beobachten also ein ganzes hierarchisches System, das gerade dabei ist, von unserer Galaxie verschlungen zu werden.

    Werden wir in Zukunft noch viel mehr finden?

    Absolut. Daran besteht kein Zweifel. Die Jagd hat gerade erst begonnen.

    Die 60, die wir kennen, sind die „einfachen“ Funde. Sie sind die hellsten, die am nächsten gelegenen oder die, die sich in den bereits durchmusterten Gebieten befinden. Wir haben den Himmel noch lange nicht vollständig und tief genug abgesucht.

    Der wahre „Game Changer“ steht bereits in den Startlöchern.

    Was erwartet uns vom Vera C. Rubin Observatory?

    Das Vera C. Rubin Observatory (ehemals LSST) in Chile wird eine 8,4-Meter-Kamera sein, die den gesamten sichtbaren südlichen Himmel alle paar Nächte abbildet. Und das zehn Jahre lang.

    Die Datenmenge wird astronomisch sein. Aber noch wichtiger ist die Tiefe. Das Rubin Observatory wird in der Lage sein, Objekte zu sehen, die noch viel, viel leuchtschwächer sind als alles, was SDSS oder DES finden konnten. Es wird den Schleier über dem südlichen Himmel vollständig lüften.

    Die Vorhersagen sind kühn. Astronomen erwarten, dass das Rubin Observatory die Anzahl der bekannten Satelliten mindestens verdoppeln wird. Wahrscheinlich wird es Hunderte von neuen, extrem schwachen Kandidaten finden. Es wird die statistische Grundlage liefern, um das „Missing Satellites Problem“ endgültig zu den Akten zu legen und unsere Theorien über Dunkle Materie und Galaxienentstehung auf die bisher härteste Probe zu stellen.

    Die „Zahl“ wird also weiter steigen.

    Was bedeutet diese Zahl also letztendlich für uns?

    Am Ende ist die „Anzahl der Satellitengalaxien der Milchstraße“ weit mehr als nur eine Zahl in einem Katalog. Sie ist ein lebendiger, atmender Forschungsbereich.

    Diese Zahl erzählt uns die Geschichte unserer eigenen Entstehung. Unsere Milchstraße wurde nicht fertig „gebaut“. Sie ist das Produkt von Milliarden von Jahren ununterbrochenen Kannibalismus, in denen sie kleinere Galaxien wie diese verschlungen hat, um ihre Scheibe und ihren Halo aufzubauen. Die Satelliten, die wir heute sehen, sind die letzten Überlebenden dieses Prozesses, die Nächsten auf der Speisekarte.

    Diese Zahl ist unser schärfstes Werkzeug, um die Natur der Dunklen Materie zu ergründen. Wir können sie nicht im Labor anfassen, aber wir können beobachten, wie sie das Schicksal ganzer Galaxien formt. Jede neu entdeckte Zwerggalaxie ist ein weiterer Datenpunkt, ein weiteres Puzzleteil in einem der größten Rätsel der Physik.

    Wenn Sie also das nächste Mal zum Sternenhimmel aufblicken, denken Sie daran: Sie sehen nur die hellsten Lichter. Das wahre Drama, die wahre Geschichte unserer galaktischen Heimat, spielt sich in der Dunkelheit ab, verborgen in den geisterhaften Tänzen von Dutzenden, vielleicht Hunderten, von unsichtbaren Begleitern.

    Häufig gestellte Fragen

    Was versteht man unter einer Satellitengalaxie genau?

    Eine Satellitengalaxie ist eine Ansammlung von Sternen, Gas, Staub und Dunkler Materie, die gravitativ an die Milchstraße gebunden ist und sie umkreist, vergleichbar mit dem Mond, der die Erde umkreist, allerdings auf viel größeren Skalen und über Milliarden Jahre.

    Warum ist die genaue Zahl der Satellitengalaxien der Milchstraße so schwer festzustellen?

    Die genaue Zahl ist schwer zu bestimmen, weil die meisten Satelliten ultraschwache Zwerggalaxien sind, die extrem lichtschwach und diffus sind und sich häufig hinter Staub- und Gaswolken verstecken, wodurch sie nur schwer zu entdecken sind.

    Was ist das ‚Missing Satellites Problem‘ und wie wurde es gelöst?

    Das ‚Missing Satellites Problem‘ bezeichnete früher die Diskrepanz zwischen den in Modellen vorhergesagten und beobachteten Satellitengalaxien. Es wurde durch bessere Entdeckungstechnologien und durch Erkenntnisse, dass viele dieser kleinen Halos keine Sterne zünden, größtenteils gelöst, wobei viele dunkle Sub-Halos wahrscheinlich keine sichtbaren Sterne haben.

    Welche Rolle spielen die Magellanschen Wolken in der Satellitengalaxienforschung?

    Die Magellanschen Wolken gelten als die größten Satelliten der Milchstraße, befinden sich jedoch möglicherweise erst auf ihrem ersten Umlauf um die Milchstraße und sind daher neuartige, relativ junge Begleiter, die die Komplexität der Satellitenstrukturen deutlich erhöhen.

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    Jurica Sinko
    Angetrieben von einer lebenslangen Faszination für die Sterne, wurde eine neue Idee geboren: die größten Fragen des Universums zu erforschen. In einer Welt, die oft vom Alltäglichen bestimmt wird, ist diese Webseite eine Einladung, den Blick wieder nach oben zu richten. Es ist ein Ort, um die Wunder des Kosmos gemeinsam zu entdecken und die Wissenschaft dahinter zu verstehen.
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