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    Galaxien: Aufbau

    Was ist Eine Lentikuläre Galaxie? Eine Einfache Erklärung

    Jurica SinkoBy Jurica SinkoOktober 29, 2025
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    was ist eine lentikuläre Galaxie

    Hand aufs Herz: Wenn wir in den Nachthimmel blicken und an „Galaxie“ denken, ploppen fast immer zwei Bilder in unserem Kopf auf.

    Auf der einen Seite die Supermodels des Kosmos: die Spiralgalaxien. Denken Sie an unsere Milchstraße oder die majestätische Andromeda. Sie sind voller Elan, mit wunderschönen, gewundenen Armen, die in den leuchtenden Farben junger, heißer Sterne erstrahlen. Sie sind… lebendig.

    Auf der anderen Seite die großen, alten Patriarchen: die elliptischen Galaxien. Das sind riesige, fast formlose „Bälle“ aus Milliarden von alten, rötlichen Sternen. Sie wirken ruhig, gesetzt und, offen gesagt, ein wenig langweilig. Ihre wilde Jugend ist lange vorbei.

    Aber was ist mit dem, was dazwischen liegt?

    Das Universum liebt die Vielfalt. Es ist selten nur schwarz oder weiß, Spirale oder Ellipse. Es gibt eine faszinierende, oft übersehene Kategorie, die aussieht wie eine Mischung aus beiden. Ein kosmischer Zwitter. Und genau hier stellt sich die große Frage: Was ist eine lentikuläre Galaxie?

    Dieser Frage gehen wir jetzt auf den Grund. Denn diese Galaxien sind weit mehr als nur ein „Mittelding“. Sie sind ein entscheidender Schlüssel. Ein Fossil. Sie verraten uns, wie Galaxien altern, wie sie sich verändern und wie sie… sterben.

    Schnallen Sie sich an. Wir reisen zu diesen geisterhaften kosmischen Linsen.

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    Inhaltsverzeichnis

    Toggle
    • Die wichtigsten Erkenntnisse auf einen Blick
    • Was genau macht eine lentikuläre Galaxie so besonders?
      • Sieht sie also wirklich aus wie eine Linse?
    • Wenn sie eine Scheibe hat, warum fehlen die Spiralarme?
      • Hat sie also einfach kein Gas mehr für neue Sterne?
      • Was ist dieses „Ram Pressure Stripping“ genau?
    • Welche Art von Sternen lebt in einer lentikulären Galaxie?
      • Moment mal, gibt es dort überhaupt keine jungen Sterne?
    • Welche „Lebensgeschichte“ hat eine lentikuläre Galaxie?
      • Pfad 1: Der „einsame Tod“ durch Ausbrennen
      • Pfad 2: Der „gewaltsame Tod“ durch äußere Einflüsse
    • Wo muss ich also suchen, wenn ich eine S0 sehen will?
      • Und was ist mit meinem eigenen Teleskop?
    • Warum der ganze Aufwand? Was verraten sie uns wirklich?
      • Was ist eine lentikuläre Galaxie also im Großen und Ganzen?
    • Was eine lentikuläre Galaxie auszeichnet (Checkliste)
    • Ein faszinierendes kosmisches Rätsel
    • Häufig gestellte Fragen
      • Warum fehlen bei lentikulären Galaxien die Spiralarme?
      • Was macht eine lentikuläre Galaxie so besonders für die Astronomie?
      • Wo findet man hauptsächlich lentikuläre Galaxien?
      • Können auch Amateurastronomen lentikuläre Galaxien beobachten?

    Die wichtigsten Erkenntnisse auf einen Blick

    Bevor wir tief in die Materie eintauchen, hier ist das Wichtigste in Kürze. Was macht eine lentikuläre Galaxie aus?

    • Hybrid-Form: Sie hat eine helle zentrale Ausbuchtung (Bulge) und eine flache, rotierende Scheibe. Genau wie eine Spirale.
    • Keine Spiralarme: Das ist der Knackpunkt. Der Scheibe fehlen die markanten, leuchtenden Arme, die wir von der Milchstraße kennen.
    • Alte „Bewohner“: Ihre Sterne sind überwiegend alt und rötlich. Genau wie bei einer Ellipse.
    • Der Tank ist leer: Sie besitzen fast kein kaltes Gas oder Staub. Das ist der „Treibstoff“ für neue Sterne. Ohne ihn herrscht Stillstand.
    • Die „Schublade“: Astronomen lieben Ordnung. In der Hubble-Sequenz, dem „Stammbaum“ der Galaxien, bekommen sie das Kürzel S0. Sie bilden dort die offizielle Brücke zwischen Spiralen (S) und Ellipsen (E).

    Was genau macht eine lentikuläre Galaxie so besonders?

    Stellen Sie sich das mal bildlich vor. Sie nehmen eine prächtige Spiralgalaxie, mit all ihrem Staub und den hellen, blauen Sternentstehungsgebieten in den Armen. Und jetzt waschen Sie all das weg. Sie schalten das Licht in den Armen aus und saugen das ganze Gas ab.

    Was bleibt übrig?

    Ein heller, kugelförmiger Kern, umgeben von einer glatten, fast strukturlosen Scheibe aus Sternen. Das, im Grunde, ist eine lentikuläre Galaxie.

    Sie hat die Form einer Spirale (die Scheibe), aber den Charakter einer Ellipse (alt, rot, „tot“).

    Genau diese Zweiteilung macht sie für Astronomen so unglaublich spannend. Wir können messen, dass die Scheibe rotiert. Die Sterne bewegen sich geordnet im Kreis. Das beweist, sie ist eine „echte“ Scheibengalaxie. Aber der Scheibe fehlt das „Zutatenlager“ – das kühle Gas und der Staub –, das in einer Spiralgalaxie die Sternenparty am Laufen hält. Ohne dieses Material gibt es keine neuen, massereichen, heißen, blauen Sterne.

    Und ohne diese blauen Sterne? Keine Spiralarme. Die Galaxie wirkt glatt, homogen und fast schon ein wenig geisterhaft.

    Sieht sie also wirklich aus wie eine Linse?

    Ganz genau! Der Name ist hier Programm. „Lentikulär“ kommt vom lateinischen „lenticula“, was „kleine Linse“ bedeutet.

    Wir sehen Galaxien ja aus allen möglichen Winkeln. Manchmal blicken wir von oben drauf („face-on“) und sehen die volle Scheibe. Manchmal aber auch perfekt von der Seite („edge-on“). Und genau dann offenbart die S0-Galaxie ihre wahre Natur.

    Sie sehen dann eine dünne, flache Linie (die Scheibe), die in der Mitte durch den hellen, runden zentralen Buckel (den Bulge) verdickt ist. Das Ganze sieht exakt aus wie eine konvexe Glaslinse, die im Weltraum schwebt.

    Der berühmte Astronom Edwin Hubble war der Erste, der diese einzigartige Form erkannte. Er merkte, dass er eine neue „Schublade“ für diese seltsamen Zwitter brauchte. Er nannte sie S0, und sie wurden zum Bindeglied in seiner berühmten „Stimmgabel“-Klassifikation der Galaxien.

    Wenn sie eine Scheibe hat, warum fehlen die Spiralarme?

    Das ist die Millionen-Dollar-Frage. Der eigentliche Knackpunkt.

    Um das zu verstehen, müssen wir kurz klären, was ein Spiralarm überhaupt ist. Die meisten Leute stellen ihn sich wie einen festen Arm vor, der sich mitdreht. Falsch.

    Ein Spiralarm ist eine Dichtewelle.

    Stellen Sie sich eine Autobahn vor, auf der es eine kleine Engstelle gibt. Der Verkehr verlangsamt sich dort. Es bildet sich ein Stau. Die einzelnen Autos (die Sterne und das Gas) fahren langsam durch den Stau hindurch und beschleunigen danach wieder. Der Stau selbst (der Spiralarm) bleibt aber als Struktur sichtbar.

    In einer Spiralgalaxie ist diese „Engstelle“ eine Welle aus Schwerkraft. Wenn das interstellare Gas in diese Welle rauscht, wird es zusammengedrückt. Komprimiert. Und was passiert, wenn man Gaswolken komprimiert? Sie kollabieren und zünden neue Sterne.

    Deshalb leuchten Spiralarme. Sie sind die kosmischen Geburtsstationen.

    Und jetzt zurück zur lentikulären Galaxie. Was passiert, wenn auf der Autobahn keine Autos mehr fahren? Richtig, kein Stau.

    In einer S0-Galaxie gibt es fast kein kaltes Gas mehr. Ohne Gas gibt es nichts, was in die Dichtewelle hineinrauschen und komprimiert werden kann.

    Kein kaltes Gas -> keine Kompression -> keine neuen Sterne -> keine leuchtenden Spiralarme.

    Einfach.

    Die Scheibe rotiert zwar weiter. Die Sterne kreisen still vor sich hin. Aber die Party ist vorbei. Die Lichter sind aus. Die Scheibe ist „tot“.

    Hat sie also einfach kein Gas mehr für neue Sterne?

    Genau das ist es. Der Tank ist leer. Aber warum? Das Gas muss ja mal da gewesen sein, sonst hätte sich die Scheibe nie gebildet. Das ist das nächste große Rätsel. Wie wird man sein ganzes Gas los? Astronomen haben drei Hauptverdächtige.

    1. Alles auf einmal verbraucht: Die Galaxie könnte in ihrer Jugend eine extrem wilde Phase gehabt haben, einen sogenannten „Starburst“. Sie hat in kurzer Zeit Milliarden von Sternen gebildet und dabei all ihr Gas auf einen Schlag „verbrannt“. Ein kosmisches Feuerwerk, das sich selbst erstickt hat.
    2. Galaktisches Mobbing (Herausgeschleudert): Galaxien leben selten allein. Wenn eine andere Galaxie zu nahe kommt, kann ihre Schwerkraft das Gas in der Scheibe destabilisieren. Es wird entweder ins Zentrum geschleudert (wo es schnell verbraucht wird) oder komplett aus der Galaxie gerissen.
    3. Der kosmische Orkan (Gestohlen): Das ist der vielleicht häufigste Mechanismus. Wenn eine Galaxie in einen dichten Galaxienhaufen fällt, durchquert sie ein unsichtbares „Bad“ aus Millionen Grad heißem Gas. Für die Galaxie wirkt das wie ein Orkan. Dieser „Gegenwind“ reißt ihr eigenes, kühleres Gas buchstäblich aus der Scheibe.

    Gleichgültig, welcher dieser Wege es war: Das Endergebnis ist eine „gashungrige“ Galaxie. Sie ist nicht mehr in der Lage, ihre stellare Bevölkerung zu verjüngen.

    Was ist dieses „Ram Pressure Stripping“ genau?

    Dieser dritte Punkt ist so wichtig, dass wir ihn uns genauer ansehen müssen. Astronomen nennen ihn „Ram Pressure Stripping“ (Staudruck-Abstreifung).

    Stellen Sie sich vor, Sie fahren mit 150 km/h über die Autobahn und halten ein Papiertaschentuch aus dem Fenster. Was passiert? Der Fahrtwind zerreißt es und reißt es Ihnen aus der Hand.

    Jetzt ersetzen Sie das Auto durch eine Spiralgalaxie. Die Autobahn ist ein Galaxienhaufen (wie der Coma- oder der Virgo-Haufen). Das Taschentuch ist das lockere, kühle Gas in der Galaxie. Und der Fahrtwind? Das ist das unglaublich heiße, aber dünne Gas, das den gesamten Galaxienhaufen füllt.

    Wenn die Spiralgalaxie mit Tausenden von Kilometern pro Sekunde in diesen Haufen rast, prallt sie auf dieses „Cluster-Medium“. Der Staudruck dieses Windes ist stärker als die Schwerkraft, die das Gas in den Außenbereichen der Galaxie hält.

    Das Ergebnis ist brutal. Das Gas wird aus der Galaxie gefegt und bildet oft einen riesigen Schweif hinter ihr – wie eine Spur aus Treibstoff. Hubble und andere Teleskope haben Dutzende von „Quallen-Galaxien“ fotografiert, die gerade diesen Prozess durchleben.

    Sobald das Gas weg ist, stoppt die Sternentstehung. Die Spiralarme verblassen. Und innerhalb geologisch kurzer Zeit (ein paar hundert Millionen Jahre) verwandelt sich die ehemals lebendige Spirale in eine passive, gasarme lentikuläre Galaxie.

    Welche Art von Sternen lebt in einer lentikulären Galaxie?

    Da die Sternentstehung seit Milliarden von Jahren stillsteht, ist die „Bevölkerung“ einer S0-Galaxie ziemlich einseitig.

    Stellen Sie sich eine Stadt vor, in der keine Kinder mehr geboren werden. Was passiert? Mit der Zeit wird die Bevölkerung unweigerlich altern. Genau das sehen wir in diesen Galaxien.

    In unserer Milchstraße wimmelt es von jungen, heißen, blauen Riesensternen. Sie sind die „Rockstars“ unter den Sternen – sie leben schnell, leuchten unglaublich hell und sterben jung in spektakulären Supernova-Explosionen. Sie sind es, die die Spiralarme so hell machen.

    In einer lentikulären Galaxie sind diese Rockstars längst verschwunden.

    Übrig bleiben nur die langlebigen, ruhigen „Rentner“. Das sind Sterne wie unsere Sonne oder noch kleinere, kühlere Rote Zwerge. Diese Sterne leben Milliarden oder sogar Billionen Jahre. Sie sind kühler und leuchten daher in gelblichen und rötlichen Farben.

    Wenn wir also das „Gesamtlicht“ einer lentikulären Galaxie betrachten, sehen wir keinen blauen Schimmer. Wir sehen ein gleichmäßiges, gelb-rötliches Leuchten. Es ist die Farbe des Alters. Es ist dieselbe Farbe, die wir auch von elliptischen Galaxien kennen.

    Moment mal, gibt es dort überhaupt keine jungen Sterne?

    „Jein.“ Das ist eine typische Antwort in der Wissenschaft. Und sie stimmt auch hier.

    Lange Zeit dachte man, S0-Galaxien seien komplett „rot und tot“. Aber neuere, empfindlichere Beobachtungen, insbesondere mit dem James Webb Space Telescope (JWST), beginnen dieses Bild zu verfeinern.

    Manchmal finden Astronomen winzige, schwache Ringe aus Staub. Manchmal entdecken sie Spuren von Gas, das um das zentrale Schwarze Loch kreist. Und gelegentlich sehen sie sogar kleine, isolierte „Funken“ minimaler Sternentstehung.

    Woher kommt das?

    Die wahrscheinlichste Quelle ist ein „galaktischer Snack“. Auch eine S0-Galaxie kann mal eine sehr kleine Zwerggalaxie „fressen“. Wenn diese Zwerggalaxie zufällig ein wenig Gas mitbringt, kann das für einen kurzen „Verjüngungsschub“ sorgen.

    Aber – und das ist wichtig – diese Ereignisse sind selten und schwach. Sie ändern nichts am Gesamtbild. Die große, glorreiche Ära der Sternentstehung ist in diesen Galaxien endgültig vorbei.

    Welche „Lebensgeschichte“ hat eine lentikuläre Galaxie?

    Wir haben also die „Symptome“ (keine Arme, kein Gas, alte Sterne) und die „Todesursachen“ (Ram Pressure, Starburst, Merger). Wie fügt sich das zu einer Lebensgeschichte zusammen? Es gibt im Grunde zwei Haupt-Pfade, wie eine Spirale zur S0 wird.

    Pfad 1: Der „einsame Tod“ durch Ausbrennen

    Das ist der „Nature“ -Weg. Nehmen wir eine Spiralgalaxie, die ganz allein im „kosmischen Nichts“ (dem „Feld“) lebt, weit weg von jedem Galaxienhaufen. Sie wird nicht durch „Ram Pressure“ gejagt. Sie wird nicht von Nachbarn belästigt.

    Was passiert? Sie lebt einfach ihr Leben. Sie bildet Sterne. Langsam aber stetig verbraucht sie das Gas in ihrer Scheibe. Irgendwann, nach vielen Milliarden Jahren, ist der Tank auf natürliche Weise leer. Der letzte Sternentstehungs-Funke erlischt. Die Spiralarme verblassen.

    Übrig bleibt eine S0-Galaxie.

    Dieser Prozess wird als „passives Altern“ oder „Ausbrennen“ bezeichnet. Er erklärt sehr gut, warum wir auch isolierte lentikuläre Galaxien finden, für die „galaktisches Mobbing“ als Ursache ausscheidet.

    Pfad 2: Der „gewaltsame Tod“ durch äußere Einflüsse

    Das ist der „Nurture“-Weg. Er ist schneller, dramatischer und wahrscheinlich häufiger. Hier wird die Galaxie nicht alt, sie wird alt gemacht.

    Das ist das Schicksal von Galaxien, die in die „Großstädte“ des Universums geraten – die dichten Galaxienhaufen.

    Hier wirken die Kräfte, die wir besprochen haben:

    • Ram Pressure Stripping: Der „Orkan“ reißt das Gas heraus.
    • Galaktische Gezeiten/Wechselwirkungen: Ständige „Fly-by“-Ereignisse und Beinahe-Kollisionen mit anderen Haufen-Mitgliedern zerren an der Galaxie, heizen das Gas auf oder schleudern es heraus. Astronomen nennen das „Galaxy Harassment“ (Belästigung).
    • Merger (Verschmelzungen): Eine Kollision mit einer anderen, kleineren Galaxie kann die Spiralstruktur zerstören und einen „Starburst“ auslösen, der das Gas schnell verbraucht.

    Das Ergebnis dieser „gewaltsamen“ Prozesse ist viel schneller. Eine Spirale kann in vielleicht einer Milliarde Jahre in eine S0 verwandelt werden, nachdem sie einen Haufen betreten hat.

    Wo muss ich also suchen, wenn ich eine S0 sehen will?

    Wenn Sie also ein „Jäger“ lentikulärer Galaxien werden wollen, wissen Sie jetzt, wo Sie suchen müssen.

    Der „Tatort“ ist fast immer ein Galaxienhaufen.

    Während die „Felder“ (die ruhigen, leeren Regionen) von Spiralgalaxien dominiert werden, sind die dichten Zentren von Haufen wie dem Virgo- oder Coma-Haufen voll mit Ellipsen und Lentikulären. Sie sind die „Stammbevölkerung“ dieser kosmischen Metropolen.

    Das ist einer der stärksten Beweise dafür, dass die Umgebung einer Galaxie ihr Schicksal bestimmt. Wo eine Galaxie lebt, entscheidet darüber, wie sie lebt – und wie sie stirbt.

    Ihre Häufigkeit ist beeindruckend. Schätzungen zufolge könnten bis zu 20% aller massereichen Galaxien in unserem lokalen Universum lentikulär sein. Sie sind also keine seltene Kuriosität, sondern ein fundamentaler Bestandteil des kosmischen Puzzles.

    Und was ist mit meinem eigenen Teleskop?

    Absolut! Sie können sie sehen. Aber seien Sie gewarnt: Sie sind oft eine Herausforderung für Amateure.

    Warum? Nun ja, weil sie eben nicht die kontrastreichen Spiralarme oder die hellen Nebel haben. Durch ein Amateurteleskop sehen sie oft wie unscharfe, ovale Lichtflecken aus. Man kann sie sehr leicht mit kleinen elliptischen Galaxien verwechseln.

    Ein berühmtes Beispiel ist die Spindelgalaxie (NGC 5866) im Sternbild Drache. Sie ist ein Prototyp einer S0-Galaxie, die wir perfekt von der Kante sehen. Mit einem guten Teleskop kann man die helle zentrale Ausbuchtung und die dünne Scheibe erahnen, die von einem feinen, dunklen Staubband durchzogen wird.

    Ein viel bekannteres, wenn auch komplizierteres Objekt ist die Sombrero-Galaxie (M104). Sie ist ein absoluter Klassiker. Astronomen streiten sich, ob sie eine S0 oder eine sehr eng gewickelte Spirale (Sa) ist. Aber mit ihrem riesigen zentralen Buckel und dem spektakulären, prominenten Staubband in der Scheibe ist sie ein perfektes Beispiel für eine Übergangsform.

    Warum der ganze Aufwand? Was verraten sie uns wirklich?

    Okay, warum ist das alles so wichtig? Warum investieren Astronomen so viel Zeit (und teure Teleskop-Zeit) in diese „Mittelweg“-Galaxien?

    Weil lentikuläre Galaxien für Astrophysiker das sind, was Fossilien für Paläontologen sind.

    Sie sind ein eingefrorener Moment in der Entwicklung des Universums. Sie sind der entscheidende Beweis, dass Galaxien „sterben“ können.

    Das große Rätsel in der Astrophysik heißt „Quenching“ (das „Erlöschen“ oder „Abschalten“). Wir sehen, dass Galaxien im frühen Universum wie wild Sterne produzieren. Im heutigen Universum tun das viele nicht mehr. Irgendetwas muss die Sternentstehung stoppen.

    Lentikuläre Galaxien sind das „missing link“. Sie sind der lebende (oder besser: sterbende) Beweis für dieses „Quenching“ in Aktion. Sie sind Spiralgalaxien, denen gerade das Licht ausgeknipst wurde.

    Indem wir sie studieren – wie viel Gas sie noch haben, wie alt ihre Sterne genau sind, in welcher Umgebung sie leben – können wir die Mechanismen (Ram Pressure, Merger, etc.) auf frischer Tat ertappen.

    Was ist eine lentikuläre Galaxie also im Großen und Ganzen?

    Um die Frage „was ist eine lentikuläre Galaxie“ endgültig zu beantworten:

    Sie ist ein kosmisches Übergangsstadium. Sie ist eine Galaxie, die ihre Identität gewechselt hat. Sie hat die geordnete, rotierende Struktur einer Scheibe behalten, aber die jugendliche Energie verloren, neue Sterne zu erschaffen.

    Sie ist ein Blick in einen kosmischen Spiegel. Sie ist ein Fenster in die mögliche Zukunft unserer eigenen Milchstraße.

    Denn auch uns steht ein „gewaltsamer“ Wandel bevor. In etwa 4,5 Milliarden Jahren wird unsere Milchstraße mit der Andromeda-Galaxie kollidieren. Das wahrscheinliche Ergebnis dieser titanischen Verschmelzung? Eine riesige, elliptische oder vielleicht lentikuläre Galaxie. Eine Galaxie, in der die Ära der Sternentstehung, wie wir sie kennen, für immer vorbei sein wird.

    Das Studium dieser faszinierenden Objekte ist daher nicht nur eine akademische Übung. Es ist ein Blick auf unser eigenes, fernes, kosmisches Schicksal. Wenn Sie tiefer eintauchen möchten, wie das Hubble-Weltraumteleskop diese galaktischen Verwandlungen untersucht, finden Sie auf der offiziellen Website der NASA zu Galaxien großartige Ressourcen (auf Englisch).

    Was eine lentikuläre Galaxie auszeichnet (Checkliste)

    Hier noch einmal die klare Abgrenzung, was eine S0-Galaxie definiert und was nicht:

    • Großer zentraler Buckel (Bulge): Ja, oft sogar ausgeprägter als bei vielen Spiralgalaxien.
    • Rotierende Scheibe: Ja, das ist ein Hauptmerkmal, das sie von elliptischen Galaxien unterscheidet (die meist eine ungeordnete Sternbewegung haben).
    • Spiralarme: Nein. Das ist das entscheidende Unterscheidungsmerkmal zu Spiralgalaxien. Die Scheibe ist glatt.
    • Gas und Staub: Fast nichts. Nicht genug, um eine nennenswerte Sternentstehung aufrechtzuerhalten.
    • Sternenfarbe: Überwiegend gelb und rot. Ein klares Zeichen für eine alte Sternenpopulation.
    • Typischer Standort: Häufig in den dichten Zentren von Galaxienhaufen.

    Ein faszinierendes kosmisches Rätsel

    Lentikuläre Galaxien mögen auf den ersten, schnellen Blick wie die „langweiligen“ Verwandten der fotogenen Spiralen wirken. Keine leuchtenden Arme, keine dramatischen Nebel.

    Aber dieser Eindruck täuscht gewaltig.

    Sie sind in Wahrheit komplexe, dynamische Systeme, die uns eine tiefgründige Geschichte über Wandel, Altern und Vergänglichkeit im Universum erzählen. Sie sind der handfeste Beweis, dass Galaxien keine statischen Inseln im All sind. Sie werden durch ihre Umgebung geformt, belästigt und dramatisch verändert.

    Jede lentikuläre Galaxie, die wir am Himmel sehen, ist das Ergebnis einer Milliarden Jahre andauernden Geschichte. Einer Geschichte von verbrauchtem Gas, verlorenen Armen oder einer turbulenten Reise durch einen kosmischen Orkan.

    Sie sind nicht das Ende der Geschichte. Sie sind das faszinierendste Kapitel mittendrin.

    Häufig gestellte Fragen

    Warum fehlen bei lentikulären Galaxien die Spiralarme?

    Bei lentikulären Galaxien fehlen die Spiralarme, weil ihnen das kalte Gas und der Staub fehlen, welche in Spiralgalaxien die Entstehung neuer Sterne und somit die Bildung der Spiralarme ermöglichen. Ohne diese Materie wirken sie glatt und geisterhaft, fast ohne junge, leuchtende Sterne.

    Was macht eine lentikuläre Galaxie so besonders für die Astronomie?

    Lentikuläre Galaxien sind wichtige Fossilien des Universums, da sie einen Übergangszustand zwischen aktiven, sternbildenden Spiralgalaxien und ruhenden, alten elliptischen Galaxien darstellen. Sie helfen zu verstehen, wie Galaxien altern, sich verändern und eventuell sterben.

    Wo findet man hauptsächlich lentikuläre Galaxien?

    Hauptsächlich findet man lentikuläre Galaxien in den dichten Zentren von Galaxienhaufen wie dem Virgo- oder dem Coma-Haufen. Europäische Galaxienhaufen sind das bevorzugte Umfeld, weil dort Umweltfaktoren wie der Ram-Pressure-Stripping-Prozess Galaxien beeinflussen.

    Können auch Amateurastronomen lentikuläre Galaxien beobachten?

    Ja, auch Amateurastronomen können lentikuläre Galaxien beobachten, allerdings gestaltet sich dies oft schwierig, da sie im Vergleich zu Spiralen weniger kontrastreich sind und wie unscharfe, ovale Lichtflecken wirken. Bekannte Beispiele sind die Spindelgalaxie (NGC 5866) und die Sombrero-Galaxie (M104), die bei guten Teleskopen erkennbar sind.

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    Jurica Sinko
    Angetrieben von einer lebenslangen Faszination für die Sterne, wurde eine neue Idee geboren: die größten Fragen des Universums zu erforschen. In einer Welt, die oft vom Alltäglichen bestimmt wird, ist diese Webseite eine Einladung, den Blick wieder nach oben zu richten. Es ist ein Ort, um die Wunder des Kosmos gemeinsam zu entdecken und die Wissenschaft dahinter zu verstehen.
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